HNO Fachinfos zu Schlafstörung, Schlafapnoe, Schnarchen und ambulante Schlafuntersuchung

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

schön, dass Sie auf unsere Website „Schlafmedizin Landshut“ als Informationsportal unter der Website „HNO Arzt Landshut“ aufmerksam wurden.

Auf den folgenden Seiten finden Sie Informationen rund um die Themen Schlafstörung, Schlafapnoe, Schnarchen und ambulante Schlafuntersuchung. Wir hoffen, dass Sie hier auf Ihre Fragen eine Antwort finden. Bevor Sie sich zu den Einzelheiten informieren, sollten Sie sich über folgende wichtige Punkte im Klaren sein:

-Eine Information im Internet kann den Arztbesuch nicht ersetzen.
Wenn Sie tatsächlich selbst unter Schlafstörungen, Schnarchen oder nächtlichen Atempausen leiden oder die Vermutung besteht, dann sollten Sie aufgrund der hohen Bedeutung für Ihre langfristige Gesundheit auf jeden Fall einen Spezialisten dazu aufsuchen.

- Medizinisches Wissen unterliegt dem Wandel.
Die hier gegebenen Informationen wurden nach bestem Wissen nach dem aktuellen medizinischen Wissensstand erstellt. Dieses Wissen ergibt sich aus langjähriger Erfahrung in der Schlafmedizin im ambulanten und im stationären Bereich. Und doch dürfen die hier nachlesbaren Informationen nicht als dogmatische, unverrückbare Wahrheiten aufgefasst werden.

-Ärztliches Handeln unterliegt der Therapiefreiheit.
Das bedeutet, dass Sie durchaus von verschiedenen Ärzten abweichende Therapieempfehlungen erhalten können, da einem Arzt die freie Wahl der Behandlungsmethode zusteht. Häufig gibt es dazu kein eindeutiges richtig oder falsch. Auch vor diesem Hintergrund gilt, dass Sie das Gelesene nicht als einzig gültige Wahrheit ansehen sollten.

Die folgenden Informationen sollen nicht ein Lehrbuch zur Hals-Nasen-Ohrenheilkunde oder zur Schlafmedizin ersetzen. Es handelt sich vielmehr um hoffentlich für den medizinischen Laien gut verständliche Antworten auf Fragen, welche in unserer HNO Praxis in Landshut bei der Beratung zum Thema Schlaf, Schnarchen, Schlafapnoe, Tagesmüdigkeit immer wieder aufkommen.

Wie entsteht eigentlich Schnarchen?

Nachdem Sie zum Leben Sauerstoff aufnehmen und Kohlendioxid ausscheiden müssen, muss Ihre Lunge wie ein Blasebalg Luft einsaugen und wieder herauspressen. Im Schlaf, wenn die Muskelspannung im ganzen Körper und damit auch im Rachen stark nachlässt, kann es beim Einatmen dann zu hochfrequenten Vibrationen in den Atemwegen kommen. Die Atemwege sind in dieser Situation nicht steif genug, um diesem Sog standzuhalten. Die Folge sind unangenehme Geräusche, eben das Schnarchen. Das Schnarchen kann dabei im Bereich des Gaumens, der seitlichen Rachenwand, des Zungengrundes oder auch des Kehldeckels entstehen. Und meistens sind mehrere der genannten anatomischen Bereiche daran beteiligt.

Wie entstehen nächtliche Atempausen?

Wenn Sie bereits verstanden haben, wie Schnarchen entsteht (siehe oben), dann lässt sich sehr einfach erklären, wie die Atempausen, die Schlafapnoe, entsteht: Es kommt dabei nicht nur zu Vibrationen in den Atemwegen, sondern die Atemwege fallen komplett zusammen, sie kollabieren. Sie möchten zwar noch weiteratmen, der Brustkorb hebt sich auch, aber frische Luft kommt nicht mehr durch die Atemwege durch. Das gilt für die sogenannte „obstruktive Schlafapnoe“, bei der es zur „Obstruktion“, zum Verschluss der Atemwege kommt. Davon zu unterscheiden ist die seltenere und in diesem Zusammenhang nicht diskutierte „zentralen Schlafapnoe“, bei der kein Atemantrieb besteht.

Ist Schnarchen schädlich für meine Gesundheit?

Nein. Schnarchen schadet Ihrer Gesundheit nicht. Es schadet allenfalls dem Zusammenleben mit einem Partner und dem erholsamen Schlaf des Partners. Aber gerade hier beginnt das Problem: Ohne Technik lässt sich üblicherweise bei starkem Schnarchen nicht zweifelsfrei unterscheiden, ob Sie wirklich nur schnarchen, oder ob auch nächtliche Atempausen auftreten, sogenannte Apnoen. Daher führt bei starkem Schnarchen nach heutigem medizinischem Wissensstand kein Weg vorbei an der Schlafuntersuchung mit einer Menge an Technik, eben der sogenannten Polygraphie.

Wie läuft eine ambulante Schlafuntersuchung, eine sogenannte ambulante Polygraphie, praktisch ab?

In unserer Praxis wird Ihnen dabei vor Praxisschluss ein Gerät angelegt, nicht unähnlich z.B. einem 24 Stunden EKG, nur eben mehr Kabel. Sie schalten das Gerät vor dem Einschlafen ein. Dann zeichnet es während der ganzen Nacht auf einer Chipkarte einige wichtige Daten auf, nämlich die Hirnströme, den Atemfluss über die Nase, die Augenbewegungen, die Muskelspannung in den Beinen, das EKG, die Ausdehnung des Brustkorbs und des Bauches, die Sauerstoffversorgung Ihres Blutes (als die sogenannte Sauerstoffsättigung der roten Blutkörperchen). Am nächsten Morgen kommen Sie mit dem Gerät wieder zurück in die Praxis. Die Chipkarte wird im Computer ausgelesen und am Bildschirm das Ergebnis mit Ihnen besprochen.

Welche Zahlenwerte in der Polygraphie dienen zur Unterscheidung zwischen alleinigem Schnarchen und einer behandlungsbedürftigen Schlafapnoe? Ab wann benötige ich eine Behandlung?

Ein Zahlenwert alleine ist hier nicht aussagekräftig. Genau hier beginnen das Fachwissen, die Erfahrung und der ganzheitliche medizinische Blick auf den Patienten eine besondere Rolle zu spielen. Wichtige Werte sind der „Apnoe-Hypopnoe-Index“ („AHI“) und die Sauerstoffsättigung des Blutes. Als grober Richtwert kann gelten: Ein AHI größer 10, also mehr als 10 Atempausen (=Apnoe) oder Phasen von verminderter Atmung (= Hypopnoe) pro Stunde gelten als behandlungsbedürftig. Gezählt wird dabei als Apnoe, wenn die Luftzufuhr für mehr als 10 Sekunden unterbrochen ist. Aber dieser Richtwert ist so, zusammenhanglos, quasi wertlos. Wichtig ist es, zahlreiche andere Faktoren in die Beurteilung einfließen zu lassen. Dazu gehören das Körpergewicht, das Alter, die Vorerkrankungen von Herz und Lunge, die Tagesmüdigkeit, das Schlafprofil und noch viele andere Faktoren.

Wo sollte ich die Schlafuntersuchung durchführen lassen? Welche Qualifikation sollte mein Arzt haben?

Durch die Landesärztekammer und die Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin ist geregelt, welche Qualifikationen für die Durchführung der verschiedenen Schlafuntersuchungen vorliegen müssen.
Für die Durchführung einer ambulanten Polygraphie im Rahmen der vertragsärztlichen Versorgung, also bei gesetzlich versicherten Patienten, muss der Arzt dazu zumindest einen „BUB-Kurs“ erfolgreich besucht haben. Dabei handelt es sich um mehrtägige Kurse.
Eine weitaus höhere Qualifikation stellt die Zusatzbezeichnung „Schlafmedizin“ dar. Sie kann nur durch eine eineinhalb jährige ganztägige Tätigkeit an einem schlafmedizinischen Zentrum und nach Bestehen einer mündlichen Abschlussprüfung vor einem Prüfungsausschuss der Ärztekammer erworben werden.
Nachdem es sich bei der Interpretation von Schlafuntersuchungen und der Beratung um ganz wesentliche Aspekte Ihrer langfristigen Gesundheit handelt – nachdem ohne Übertreibung Ihre Lebenserwartung damit verknüpft sein kann – sollten Sie das Thema der Qualifikation Ihres Arztes besser nicht gering achten.

Welche Behandlung ist am besten geeignet bei der Schlafapnoe im Erwachsenenalter?

Unverändert gilt: Der sogenannte „Goldstandard“ bei der Behandlung der Schlafapnoe ist die Versorgung mit einem CPAP-Gerät. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das über einen Schlauch und eine Maske in Ihrem Gesicht leichten Luftdruck (keinen reinen Sauerstoff, sondern einfach Umgebungsluft aus dem Zimmer) in Ihre Atemwege bläst. Dadurch können die Atemwege beim Einatmen nicht mehr zusammenfallen. Das Gerät, der Gerätetyp, die Maske, das Zubehör, die Luftdruckeinstellungen müssen in einem Schlaflabor angepasst werden. Sie müssen also zu diesem Zweck in dem Schlaflabor übernachten.

Gibt es keine Alternative zum CPAP-Gerät?

Das hängt von vielen Faktoren ab. Hier gilt wieder: Achten Sie auf die Qualifikation Ihres Arztes (siehe oben), wenn Sie sich beraten lassen.
Also grobe Anhaltspunkte können gelten:
-Je höher der AHI, also die Zahl der Atempausen pro Stunde, desto weniger Alternativen gibt es.
-Je höher das Körpergewicht und je älter der Patient, desto weniger Alternativen gibt es.
In ausgewählten Fällen kommen als Alternativen (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) eine progenierende Bissschiene, eine Rückenlage-Verhinderungsweste, ein Eingriff zur Verbesserung der Nasenatmung, ein Eingriff im Rachen wie Tonsillektomie, Zungengrundreduktion, Uvulopalatoplastik, in Frage.

Kann man von der Schlafapnoe durch eine Operation geheilt werden?

Nur in ganz ausgewählten Fällen ist das möglich. Die Zahl der erwachsenen Patienten, bei denen dies zutrifft, ist gering. Im Gegensatz übrigens zur Schlafapnoe bei Kindern, denn hier hilft in der Mehrzahl der Fälle ein Eingriff, um von der Krankheit zu heilen. Ob bei Ihnen – wenn Sie von einer Schlafapnoe betroffen sind – eine Operation in Frage kommt, lässt sich nur durch viel Erfahrung beurteilen. Und selbst dann, trotz aller Erfahrung, kann das Operationsergebnis, die Heilung, nicht sicher vorhergesagt werden. Sicher aber gehen Sie bei Eingriffen im Rachen nicht unerhebliche Risiken ein. Es empfiehlt sich daher nach meiner Ansicht, vor einer Entscheidung zu einem Eingriff bei Schlafapnoe, sich zumindest eine zweite Meinung einzuholen (zur Qualifikation siehe oben).

Was passiert, wenn die Schlafapnoe einfach unbehandelt bleibt?

Diese Überlegung spielt bei vielen Patienten eine Rolle, die den Erfolg der Behandlung nicht durch eine erhöhte Leistungsfähigkeit am Tag bemerken und sich durch die Maske im Schlaf gestört fühlen. Hier drängt sich schnell der Gedanke auf, „dass es bisher auch ohne ging“. Diese Schlussfolgerung kann fatal für Sie sein, wenn bei Ihnen eine schwere Schlafapnoe diagnostiziert wurde. Es handelt sich um ein gesichertes medizinisches Wissen, dass die unbehandelte Schlafapnoe das Risiko für Herzinfarkt, Bluthochdruck, Schlaganfall erhöht und die Lebenserwartung sinkt. Hier handelt es sich um Statistiken, Wahrscheinlichkeiten. Selbstverständlich müssen Sie im Einzelfall davon nicht betroffen sein, so wie auch der Raucher nicht sicher einen Lungenkrebs bekommt, aber eben ein höheres Risiko hat. Wichtig ist in diesem Zusammenhang: Sie sollten sich durch anfängliche Probleme mit dem CPAP-Gerät, z.B. wenn die Maske drückt, nicht beirren lassen. Sie sollten die Probleme lösen, aber nicht die Therapie als Ganzes verdammen. Mir hat die Erfahrung gezeigt, dass in vielen Fällen, in denen ein Patient einer unbedingt notwendigen und alternativlosen CPAP-Therapie ablehnend gegenübersteht, die Aufklärung zur Notwendigkeit der Therapie nicht ganz optimal war. Gut informierte Patienten lösen die Probleme, aber lehnen nicht die Therapie ab. Vor diesem Hintergrund sollten Sie, wenn Sie in einer derartigen Situation sind, auch Kontakt zur Selbsthilfegruppe Schlafapnoe in Ihrer Nähe suchen.